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Samstag, 29. September 2007

29.09.2007













Der Fox Glacier beginnt auf 2800 m Höhe, ist 13 km lang und 350m tief. Er endet 250 m über Meeresniveau und ist aufgrund seiner Schroffheit, für uns aber vor allem aufgrund seiner Zugänglichkeit noch beeindruckender als der Franz Josef Glacier. Es ist schlechtes Wetter für heute Nachmittag und die folgenden Tage angekündigt (welch Überraschung). Wir „die early birds“ sind deshalb schon um 8:45 auf dem ersten 1:30 h langen, sehr schönen Wanderweg mit Bo im Tragerucksack unterwegs, um die letzen Momente klarer Sicht auf den Gletscher nicht zu versäumen. Der Chalet Lookout Walk führt (was für eine weitere Überraschung) stetig steil bergauf. Wir überqueren mehrere Flüsschen, Flüsse und Geröllhalden bis wir plötzlich bis auf 1 km an ihm stehen. Hochhaus-gleich ragen Eiszacken vor der Endmoräne in den Himmel und bei seiner Schroffheit wirk der Gletscher aus dieser Entfernung nicht begehbar.

Die Wanderzeit hat anscheinend andere Besucher abgeschreckt, so dass wir auf dem gesamten Weg keinem anderen Menschen begegnen. Das ist auch gut so, schließlich hatten wir schon ein schlechtes Gewissen die Zugangsstrasse mit unserem Wohnmobil-Monster genommen zu haben, obwohl das Schild vor Einfahrt in die Strasse, diese als not suitable for campervans (weil zu eng) einstufte.

Dann fahren wir direkt zum zweiten Walkway, der diesmal am Gletscherfluss entlang führt und uns in 20 min direkt 100 m vor die Endmoräne des Gletschers führt. Die Größe ist nicht wirklich fassbar!

Jetzt zieht es sich schon zu, also noch flott zum Lake Matheson, den dritten Track des Tages vor Augen. Doch wir schaffen es nicht mehr. Es fängt in Strömen an zu regnen, Bo schläft im Auto und wir setzen uns ins Restaurant und genießen eine leckere heiße Schokolade. Wir kehren auf den gleichen Campingplatz in Fox Glacier zurück.

28.09.2007






Am Morgen fahren wir nach Süden und erreichen nach 140 km Franz Josef Glacier zur Mittagszeit. Von den 140 Gletschern im Westland sind die beiden Gletscher, die wir in den nächsten zwei Tagen zu besichtigen denken, die beiden Größten und tief Reichendsten. Zuerst aber essen wir vor dem geschlossenen Visitor Center zu Mittag bis die faulen Säcke von ihrer Siesta aufgewacht sind!

So richtig viel konnten wir dann vom Franz Josef Gletscher nicht sehen, weil alle Walks und Strassen zum Gletscher wegen, Erdrutschen, Begradigungen etc. gesperrt waren. Nur der Glacier Valley Walk erlaubte es überhaupt, sich dem Gletscher auf Sichtweise zu nähern.

Aber selbst das war faszinierend. Der Gletscher dringt aufgrund seiner hohen Fliessgeschwindigkeit (ca. 10 mal höher als bei herkömmlich, durchschnittlichen Gletschern, wegen der Steilheit der Berge) bis auf ca. 300 m über dem Meeresspiegel vor. So tief, dass bis weit über seine Zunge hinauf noch dichter Regenwald bestand hat. Die Kombination von grüner Waldvegetation und schroffen Gletschereis kanten machen das Erlebnis deshalb auch so skurril. Der Franz Josef Gletscher ist 11 km lang und hat im 18 Jahrhundert ebenso wie der 13km lange Fox Gletscher fast bis zum Meer gereicht. Seitdem hat er sich um mehr als 3km zurückgezogen.

Enttäuscht über unsere erzwungene Tatenlosigkeit an diesem Gletscher fahren wir schon am Nachmittag nach Fox Glacier, einem 400 Seelen Nest 20 Minuten südlich, um dort die Nacht zu verbringen.

Annette und Bo gönnen sich einen kurzen Fahrrad-Shopping-Spielplatz-Ausflug und Bert bearbeitet Fotos im Camper. So endet ein langer Tag schließlich müde und abgekämpft bei einer Serie von „Black Adder“!

27.09.2007







In Greymouth gibt es weiter keine großartigen Attraktionen. Wenige Kilometer nach Dorfausfahrt biegen wir links zur Shantytown ab. Es ist eine Nachgebaute Goldgräberstadt. Wer Tombstone in den USA kennt, kann sich ein Bild von dieser kleinen Stadt machen, allerdings hat sie sogar noch deutlich mehr Freizeitpark-Charakter. So überlegten wir uns lange, ob wir uns den „japanischen Touristenbusstress“ wirklich gönnen sollten, obwohl es keine wirklich orginale Geisterstadt ist. Aber es ist Nebensaison, der Japaner und Chinese an sich ist bis auf das zum Teil scharenweise Auftreten relativ unauffällig und leise und alle Gebäude sind sogar (so lesen wir) entweder echt, oder analog zu Echten nachgebaut worden. Bei solch einer Authentizität-Verbundenheit der Betreiber gehen wir das Wagnis ein. Wir wurden nicht enttäuscht. Das Fahren mit einer funktionstüchtigen Dampflok, samt Marsch durch das (kleine, heiße und dreckige aber mit vielen Hebeln und Armaturen reich ausgestattete) Fahrerhaus begeistern Bo und so richtig schlecht finden wir (Annette und Bert) es auch nicht. Auch sonst liest man ein paar nette Geschichten, wie diese über den betagten, sympathischen Digger, die ich als Foto mit poste. Und allerlei Orginal-Ausrüstung oder deren Überbleibsel gilt es zu bestaunen.

So reiben wir uns verwundert die Augen über die Anzahl der Zeitungen an der Westküste zum Ende des 19ten Jahrhunderts, freuen uns an mehreren Stellen Zeitgenossen diesen Jahrhunderts zu sein und schütteln ob der Lebenshärte der Digger stirnrunzelnd den Kopf. Auch die Arbeitsregeln der Bank werde ich noch mit veröffentlichen. Die Gewerkschaften würden heutzutage Amok laufen.

Danach fahren wir nach Hokitika, der Hauptstadt der grünen Jade-Verarbeitung. Die ganze Westküste ist für diesen Rohstoff und deren Verarbeitung bekannt, doch hier ernährt sich das Städtchen davon. Wir stromern durch die Strassen, schauen bei der Jade-Fabrik durch das Fenster in die Werkstadt und besuchen die Jade-Läden. Ein Museum gibt es leider nicht, aber es reicht, um einen Eindruck zu erhalten.

Auf Annettes Anregung hin, begehen wir danach noch einen Bellbird-Walk, der bei Dämmerung vor Vogelgezwitscher nur so strotzen soll. Nun so ganz können wir das nicht nachvollziehen, obwohl sich die drei Vögel wirklich Mühe geben. Wahrscheinlich waren wir zu früh. Dann geht es zurück nach Hokitika zum Campingplatz mit Plastikspielplatz.

Mittwoch, 26. September 2007

26.09.2007
















Richtung Süden geht es auf einer spektakulären Küstenstrasse. Unser erstes Ziel ist Punakaiki mit den weltberühmten Pancake Rocks und Blowholes. Die Landschaft ist atemberaubend schön, der Walkway leicht und selbst Bo lässt sich von seinem Schlaf 2 Stunden lang abhalten. Wasser hat hier sonderbare Formen in den limestone und sandstone gegraben. Deshalb hängen wir heute ein paar mehr Bilder an. Mit nahrhaften Nachos, Fritten und Wedges gestärkt, oh ja wir ernähren uns schon sehr gesund, fahren wir, nachdem Bo uns sofort einnickert, direkt wieder einen Parkplatz am Strand an und machen dort auch Pause, beobachten dabei interessiert wie ein Neuseeländer sich dreimal sein Auto mit Steinen vom Strand voll lädt. So beschafft man sich vor Ort sein Baumaterial. Wir fahren bis Greymouth und nisten uns dort auf einem Campingplatz ein. Wäsche will gewaschen, Wasser getankt und Abwasser abgelassen werden. Und nach der ganzen Fahrerei tut Bo der Spielplatz mit den vielen Kindern (Schulferien haben begonnen) sehr gut.

25.09.2007






















Die Nacht durch hat es Bindfäden geregnet. Nach sorgfältigem Studium der Wettervorhersage, disponieren wir wieder einmal um. Wir machen uns auf den Weg an die Westküste. Rund 300 km wollen wir heute fahren, um dem Regenwetter zu entfliehen. Das ist für Bo üblicherweise grenzwertig, aber diesmal steckt er die Fahrt super weg. Wir bewegen uns auf den Nordrand der „Alpen Neuseelands“ zu und wenn nicht so häufig Schafe auf den Weiden stünden, würde mich keiner davon überzeugt kriegen, nicht durch die Schweiz zu fahren. Naja und die Leute fahren besser Auto. Wenn man ehrlich ist fahren hier so ziemlich gar keine Autos mehr oder nur sehr selten. Zeit also auf das Gas zu treten, die Kiste auf schnurgerader Strecke mal ordentlich schwimmen zu lassen, und der Schlechtwetterfront zu entfleuchen. Zum Abend beschließen wir wild am Cape Foulwind zu übernachten. Leider wird das mit Nachdruck auf dem Parkplatz des Reserves verboten. Deshalb bewandern wir nur einen Walkway zur Robbenkolonie, überraschen damit eine Weka – Familie und lassen uns unsensiblen Eltern davon überzeugen, dass man zur Essenszeit nun wirklich nicht mehr am Strand mit eiskaltem Wasser spielen will. Wir fahren in eine Schottersackgasse am Strand entlang und entdecken ein wunderbar abgelegenes Immobilienprojekt, wo Grundstücke direkt am Meer zur Bebauung abgesteckt wurden. Dort platzieren wir uns dreist in einer besonders schönen Zufahrt, lassen uns vom Sonnenuntergang beeindrucken und legen uns auf´s Ohr.