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Freitag, 26. Oktober 2007

26.10.2007


















Bumpy – anders kann man die Überfahrt zur White Island wohl nicht beschreiben. Mit 18,5 Knoten fegen wir durch die rollenden Wellen. Die Hälfte der Touristen sind schon mit Spucktüten bewaffnet auf dem Hinterdeck. Ich selbst bin – überraschend - ohne Probleme; im Gegenteil mein Magen knurrt. Absichtlich habe ich nicht gefrühstückt und Seasickness Pills eingeworfen. Die Taktik geht auf!

In Whakatane war heute früh noch absolute Flaute. Aber schon nach 10 Minuten auf See, als wir aus dem Wind- und Wellenschatten von Whale Island herausdrehten und die Schar der jungen Coolen auf dem Vorderdeck der Peejay 5 in Sekunden in imposanten Gischtfontänen verschwanden, war klar, dass die Überfahrt alles andere als ruhig verlaufen würde.

Nur an 150 Tagen im Jahr kann die White Island überhaupt angefahren werden. Das liegt zum einen an den 49 km über den Pazifik und der exponierten Lage der Insel. Wenn heute prima Wetter war, dann möchte ich nicht wissen, was es heißt, dort einen Sturm erleben zu müssen Zum anderen liegt es auch am Niederschlag. Ist es regnerisch, so ist die Gefahr von starkem saurem Regen auf der Insel zu hoch für Touristen und deren teurer Kleidung.

White Island – der Geysir der erschien – ist einer die zwei aktivsten Vulkane in New Zealand. Er ist der aufgetauchte Gipfel eines riesigen unterseeischen Vulkans – 100.000 bis 200.000 Jahre alt gehört er zum „Ring of Fire“ und liegt genau an der Subduktionsstelle, wo sich Indo-australische und pazifische Platte untereinander schieben. Mit seiner Lage bildet er die nordöstliche Spitze der Vulkane der zentralen Nordinsel. Diese Vulkanregion ist auch als die Taupo Vulanic Zone bekannt.

Immer hängt eine Dampfwolke über der Insel – so hat sie sich ihren Spitznamen „Wetterfahne von Whakatane“ verdient. Ca. 400 Tonnen von Schwefeldioxid werden aus dem Vulkan täglich abgeblasen. Die Luft ist damit geschwängert und rasch werden Bonbons auf dem Trip verteilt, damit sich das bald einstellende Kratzen im Hals nicht zum Husten auswächst. Der geführte Walk dauert 1 ½ Stunden und ist informativ.

Die Landschaft ist karg, wüstengleich und überall rauchen Fumarole. Neben der braunen Grundfarbe dominiert Weiß und Grün die Landschaft. Grün leuchtet das kristallisierte Schwefeldioxid (Sulfat? Puh ich muss die alten Chemie-Bücher unbedingt noch einmal heraus kramen!!! Bloß keiner etwas Hajo davon erzählen bitte!). Weiß ist Gips, welches durch die Verbindung von Schwefel und Calcium entsteht. Die Asche Farben variieren von Kaki-grün (wenn viel Salz und andere chemische Elemente enthalten sind, über pink-rot (wenn Eisenbestandteile oxidiert wurden) bis zu grau (von kühlerem Auswurfsmaterial) und braun (direkt aus dem Magma).

Nur zwei Pflanzenarten können in dem saurem Klima auf der Insel überhaupt überleben pohutukawa und flax. Die Fauna hat mehr zu bieten: Die Unterwasserwelt ist reich an Arten, die ihren „Thermalpool“ genießen! Auch große Tölpel Kolonien (bis zu 10.000 Vögeln) gibt es und bis zu 60.000 grey faced petrels (muttonbirds) nennen das White Island Archipel ihr zu Hause. Keiner dieser Vögel ist aber im inneren Inselbereich, also in Kraternähe zu sehen. Die Kolonien liegen alle außerhalb der bis zu 220 Meter hohen Kraterwand. An einer Seite der Insel ist diese hohe, äußere Kraterwand weg gebrochen. Scheinbar schutzlos ist dieser Bereich zum Meer hin geöffnet und Treibholz zeigt an bis zu welchem Punkt bei Sturm die anbrandenden Wellen ihr Wasser tragen. Bis zu 12m Wellen prügeln dann auf die Insel ein.

Der Kratersee ist davor aber geschützt. Er liegt 60 m unter dem Meeresspiegel und nur Regenwasser dringt in den inneren Karterbereich ein. Der See leuchtet in aggressivem Grün und ist riesig. Dampf entsteht kontinuierlich auf seiner Oberfläche – seine Temperatur beträgt ca. 70-90 Grad und sie variiert mit dem Regenfall. Sein PH Wert ist angeblich 0 (nach der Führerin / ich bin mir nicht mehr so sicher, ob der PH Wert nicht ein Quotient ist und dann wäre das natürlich barer Unsinn. Himmel schmeiße Chemie Bücher oder einen Internetzugang herab!). Wie auch immer ist er einer der sauersten Seen überhaupt.

Es gab sogar - fast als Selbstmord anmutende - Bemühungen der industriellen Sulfatgewinnung auf der Insel, um Dünger zu produzieren. Aber nach mehreren nicht profitablen Anläufen endete der vorletzte Versuch in einer Katastrophe, als alle 11 Arbeiter und die gesamte Siedlung in einem Ausbruch verschüttet wurden.

Der Wind hat zugenommen und der Rückweg soll heftiger als der Hinweg werden. Deshalb verzichte ich lieber auf das Mittagessen und es stellt sich als eine weise Entscheidung heraus. Diesmal fallen 70 % der Touristen aus und verbringen ihre Zeit bei Kargungen von bis zu 40 Grad auf dem feuchten Hinterdeck.

Annette und Bo treffe ich auf dem Campingplatz wieder. An der Anlegestelle haben wir uns knapp verpasst, weil ich früher als erwartet zurück bin. Der Kapitän hatte uns bei auffrischendem Wind ein paar Minuten früher als geplant von der Insel geholt.

Die beiden waren in Ohope Beach den Vormittag über am Strand. Leider können wir keine Tour morgen für Annette nach White Island buchen, zwei Boote sind ausgebucht. Annette ist zum Glück nicht enttäuscht. Ohnehin hätte sie sich schwer damit getan, an meinem Geburtstag alleine den Cruise zu machen.

So werden wir uns für morgen eine schöne gemeinsame Aktivität überlegen und auch ein wenig weiter fahren. Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit einer dänischen Familie auf dem komfortablen Spielplatz bei nettem Geplauder und nicht immer problemlosem Spielen.

Mittwoch, 24. Oktober 2007

25.10.2007

Die fehlenden 35 km fahren wir nach Whakatane. Dort reservieren wir eine Fahrt für mich nach White Island. Annette wird die Tour zeitversetzt einen Tag später machen. Die 4 Stunden Bootsfahrt wollen wir Bo ersparen. Der Tag in Whakatane wird ruhig: Spielplatz, Supermarkt und die Suche nach einem Wireless Internet Hotspot werden den Tag prägen. Schließlich müssen wir langsam auch das Hotel für Hong Kong buchen.

24.10.2007







Nach einer Stunde am Strand, erreichen wir um 10:30 Uhr nördlich von Morere heiße Quellen. Entspannend sind die drei heißen Bäder für alle. Ein wunderbar idyllischer Waldpfad verbindet die Bäder. Nur 5 Minuten Wegzeit liegen sie auseinander, aber schon nach einer Minute wünschte sich Annette doch, Schlappen angezogen und den Weg nicht barfuss begonnen zu haben. Anschließend fahren wir den (schlechten) Highway zwei bis nach Ohiwa an der Bay of Plenty. Das East Cape lassen wir mangels verbleibender Reisezeit einfach östlich liegen. Ein herrlicher Campingplatz mit gutem Spielplatz, Hüpfkissen und super Sanitäranlagen wartet dort für die Nacht.

23.10.2007



















Um 5 Minuten vor 7 Uhr sind wir an der Abfahrtsstelle, zwar 5 Minuten zu spät, aber dann auch wieder 5 Minuten zu früh, denn der Traktor ist noch nicht einmal zu sehen. Bo schaut skeptisch aus seiner dicken Winterjacke, ohnehin konnte man ihn ohne Frühstück und viel zu früh am Morgen nur mit der Aussicht auf den Traktor aus dem Bett bringen. Dann endlich kommt er angepöttert, ein altes Ding mit einem Anhänger. Schlappe 7 zahlende Erwachsene und ein Wutz – ja Bo, Annette habe ich gerade nicht gemeint – na gut, 6 zahlende Große, ein zahlender Wutz und ein nicht zahlender Wutz nehmen auf dem Anhänger Platz. Eine kleine, feine Gruppe, bedenkt man, dass in der Hochsaison 5 Traktoren 180 Touristen den Strand entlang ziehen.

Der Weg hinaus zum Cape Kidnappers ist kurzweilig. Während wir in Kiesabschnitten mit dem Anhänger wild schlingern und uns in Sandabschnitten bei Schatten in den Jacken verkriechen sowie bei Sonne die Köpfe herausstrecken, so rumpelt es einen in Felsabschnitten schon heftig umher. Die Saison ist noch früh, vor einer Woche wurden die ersten Fahrten nach der Winterpause wieder aufgenommen und so liegen in verschiedenen Bereichen noch angeschwemmte, bzw. abgestürzte Felsbrocken im Weg. Schon der Rückweg ist angenehmer; ein zweiter Traktor von Gannet´s Beach Adventures befindet sich mit einer Kette im Einsatz Felsbrocken aus dem Weg zu ziehen. Auf der Rückfahrt machen wir sogar einmal kurz Pause und beobachten, wie beide Traktoren zusammen einen besonders heftigen Brocken solange bearbeiten, bis er seinen Ruheplatz außerhalb des Tracks gefunden hat.

Einmal zerlegt es uns auf der Hinfahrt dermaßen, dass wir im Anhänger wild übereinander purzeln. Bo findet es – müde wie er ist – überhaupt nicht witzig, lässt sich aber rasch wieder beruhigen.

Mehrmals stoppen wir und erhalten kurze Präsentationen über Geologie und Fauna. So erfahren wir, dass das gesamte Cape in den letzten 400.000 Jahren um 200 Meter angehoben wurde. Die Gegend ist tektonisch sehr aktiv und regelmäßig finden tektonische Erdbeben statt. Mehrere Gräben befinden sich in der Gegend. An den Gesteinsbändern auf der Klippe zeigt uns unser Guide imposante Verwerfungslinien, wo Verschiebungen bis zu 11 Metern sichtbar sind. Das Erdbeben, welches Napier 1930 vernichtete, korreliert zu einer Verwerfung von „nur“ 5 Metern.

Dann fahren wir an der ersten Tölpelkolonie auf den Felsen am Strand vorbei – am Rückweg steigen wir dort aus – bevor wir den Umkehrpunkt der Fahrt erreichen. Ein 30 Minuten langer Weg zieht sich von hier aus die Klippe hinauf, anstrengend besonders, weil Bo Gehen prinzipiell als nicht kindgerecht empfindet. Alle Anstrengungen lohnen sich aber, die Tölpelkolonie auf dem Plateau ist alleine schon atemberaubend. Der Lärm ist ohrenbetäubend und auch der Gestank erinnert einen sofort an vorherige Erlebnisse an ähnlichen Vogelkolonien auf Galapagos oder in Südafrika. Ja es stank eigentlich immer infernalisch. Ohne Luft in den Lungen und zweier Sinne wegen Überbeanspruchung beraubt, fokussiert man sich alleine auf das Visuelle – völlig ausreichend - die 30 Minuten der Beobachtung sind reich an Erlebnissen.

Tölpel in anmutigen, anscheinend schwerelosen, waghalsigen Flugmanövern, die sich in dem Moment des Ausfahrens der großen Schwimmhaut-besetzen, Enten-gleichen Füße in unbeholfene und unsicher wirkende, Landeplatz suchende Anflüge wandeln, um dann in 50% aller Fälle in einer katastrophalen Notlandung zu Enden. Schnell erhebt sich der Tölpel (Australasiatischer Gannet) dann von einem Bauch, schaut sich kurz um ob jemand etwas bemerkt hat und natürlich schauen ihn alle an. Ist er zu nah gelandet empfangen ihn sogar beißende Schnäbel. Dann flüchtet er entweder aus der Gefahrenzone oder stolziert mühsam seine Fassung und vermeintliche Ehre wiedergewinnend vom Landeplatz zu seinem Partner.

Die Männchen kommen mit frischem Seetang angeflogen, den das Weibchen im Nest drapiert – Inneneinrichtungen bei Wohnungen werden demnach auch bei Tölpeln meist weiblich vorangetrieben. Landet das Männchen unvorsichtig, so entbrennt oft ein heftiger Kampf um den Seetang im Maul, der ihm sofort von allen umgebenden Tölpeln streitig gemacht wird. Ein diebisches Volk, das selbst vor Klau von Seetang aus benachbartem Nest oder sogar der vollständigen Nestübernahme von anderen Tölpelpaaren nicht zurückschrecken. Oft heißt es dann sogar zwei auf einen, wenn das Weibchen alleine im Nest wartet und einem Nachbarpaar der Sinn nach Veränderung steht.

Eine weitere Kolonie ist malerisch auf den Felsklippen in Richtung Westzipfel gelegen und eine vierte Kolonie findet sich unter dem Cliff am Geröllstrand. Kreisrund sind diese Kolonien angelegt – ein bestmöglicher Schutz vor Räubern wird so geboten.

Dann geht es zurück und Bo bekommt die Gelegenheit auf die er schon lange gewartet hat an der allerersten Kolonie, an der wir am Anfang vorbeifuhren. Während alle anderen Gäste mit wildem Fotografieren beschäftigt sind, kann er sich auf den Fahrersitz des Traktors setzen und ist dort kaum mehr wegzubewegen.

Um 11:15 Uhr sind wir zurück am Camper. Dann machen wir uns auf den Weg. In Napier geht es flott in den Supermarkt und leicht nördlich von Napier stellen wir uns in einer Wohnsiedlung in einer Sackgasse an den Strand zum Essen.

Dann fahren wir zwei weitere Stunden, bevor wir nahe Morere am Whakaki Beach, einem herrlichen, dunklen Sandstrand, wild campen.

Sonntag, 21. Oktober 2007

22.10.2007



Wir fahren bis Clifton, südlich von Napier und westlich von Hastings. Das ist der Ausgangspunkt für einen Ausflug zum Cape Kidnappers, den wir für morgen früh 7:00 Uhr buchen. Mehrere Tölpelkolonien können dort beobachtet werden und bis zu 17.000 Vögeln halten sich in der Tölpelhauptferienzeit dort auf. Mittags sind wir da, spielen, waschen und fahren kurz für eine Stunde in einen Streichelzoo nebenan. Klar, der Bert bleibt draußen und stellt überrascht fest, dass es dort ein ungesichertes wireless network gibt. Nun gut die Artikel sind zwar noch nicht fertig, aber dann lade ich flott ein paar Fotos hoch. Dann geht es zurück an den Strand (wir stehen direkt am Meer) und früh geht es in das Bett, denn noch viel früher müssen wir ja aufstehen!

21.10.2007









Weil uns Städte nicht besonders interessieren und auch Wellington keine Ausnahme ist, machen wir uns am Morgen direkt wieder auf den Weg. Wir wollen zurück Richtung Napier und jetzt den überwiegenden Rest der Nordinsel sehen, der uns bislang Wetter- oder Saison-bedingt verwehrt wurde. Jegliche Contingency ist allerdings aufgebraucht und so werden wir jetzt schon New Plymouth und den Mount Egmont genauso wie das Nordkap und die Bay of Islands vermutlich nicht mehr sehen können. Aufgrund der begrenzten und weit verstreuten Transport Infrastruktur müssen wir in den nächsten Tagen auf schon bekannten Wegen wandeln. Das Gute dabei: wir können auf gute Erfahrungen zurückgreifen. So wissen wir, dass es in Masterton einen genialen Spielplatz gibt. Also wird dort zu Mittag gegessen und Bo tobt sich aus. Dann noch einmal für 80 Minuten auf die Piste und in Dannevirke – Werk der Dänen – gehen wir auf einen lauschigen Campingplatz, samt Vogelvoliere, Ententeich und Wildgehege nebenbei. Die Fahrt war ebenso ereignislos, wie auf dem Hinweg.