















Sam Tin beherbergt das heutige Hauptziel unserer touristischen Bemühungen. Mit dem Taxi lassen wir uns bis zum Parkplatz bringen. Dann klettern wir über Rolltreppen auf Anweisung des Taxifahrers zur Anlage. Verneint wird meine Anfrage ob wir Eintritt zahlen müssen und wir werden herzlich willkommen geheißen.
Nach 10 Minuten Treppensteigen ist dann aber klar, dass Irgendetwas nicht stimmt. Lauter Rauchstäbchen vor Häuschen mit Urnenwänden sprechen in klares Bild. Wir sind nicht wirklich am Tempel der 10.000 Buddhas angekommen, sondern mitten auf einem buddhistischen Friedhof.
Nun wird mir auch klar, warum die Frage nach Eintritt auch etwas sonderbar aufgenommen wurde. Freundlich erklärt man, dass wir uns beim Abzweigen vom Parkplatz leicht geirrt haben. Unter 10fachem Verfluchen unseres unfähigen Taxifahrers kraxeln wir den Berg wieder herunter, nur um ihn 50 Meter weiter links erneut zu besteigen. Auf diesem Pfad wird dann jedoch rasch klar, dass wir richtig sind: erste Buddha Figuren grinsen uns an. Es warten mehr als 13.500 auf uns im Tempelbereich der 10.000 Buddhas und den Zugangspfaden.
Der Weg ist steil und anstrengend und die zuweilen spöttisch grinsenden Buddhas machen es uns nicht leichter. Trotzdem ist es kurzweilig – anscheinend ist das Ziel, dass sich jeder mit Buddha identifizieren kann und so bilden die Figuren einen perfekten Variantenreichtum: vom Vollidioten über den grimmigen Krieger bis zum Gelehrten ist alles dabei.
Es ist bunt auf der Tempelanlage – wieder kein Eintritt, man finanziert sich mit Spenden – und bald haben wir das Meiste erkundet. Die einbalsamierte und vergoldete, im Schneidersitz meditierende Leiche des Tempelgründers wirkt ein wenig morbide. Ansonsten kann ich den Tempel aufgrund der ständigen Komik der Figuren nun wirklich nicht als Pilgerstätte wahrnehmen.
Wir essen in dem beiliegenden einfachen Restaurant. Kein Tourist speist hier – ein Fehler, denn das Essen ist gut und unser Mut bleibt ohne Spätfolgen. Insgesamt sind hier sehr wenige Touristen unterwegs und die meisten von Ihnen haben wir schon auf dem Friedhof vorher getroffen.
Auf dem Weg zurück fahren wir nach am Jade Markt vorbei. Es ist eine Wellblechhalle mit Hunderten von Ständen. Die Ansprache ist auf Touristen ausgerichtet – aggressiv und halsabschneiderisch. Die Anfangspreise sind vom Mond und man muss sich tatsächlich die Mühe machen, sich an ca. 15 Ständen preislich zu orientieren, bevor man in einem realistischen Preisniveau anfangen kann zu handeln.
Dann geht es zurück zum Hotel und wir machen noch flott eine Tour durch das Schwimmbad, bevor für Bo die Lichter ausgehen. Ich mache mich noch einmal auf den Weg zum Victoria Peak, um die Hong Kong Skyline bei Nacht zu genießen. Leider wird das Erlebnis durch die anderen 500 Menschen die es zeitgleich mit mir angehen etwas geschmälert. Der Chinese an sich ist weder geduldig noch sehr höflich wenn es um Schlangen, das Respektieren von Vortritten oder sonstigen Gesten bei jeglichen Arten von Transportmitteln geht. Und so muss selbst ich routinierter Reisende all meine Geduld und Drängeltricks aufwenden, um nicht zu platzen oder aber nach hinten durchgereicht zu werden. Die Aussicht entschädigt, aber danach habe ich von Menschen erst einmal genug und mache mich auf den langen Weg zurück zum Hotel.