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Dienstag, 9. August 2011

9.8 Von Bären und Vögeln










Camping ist schon eine seltsame Sache. Nicht selten findet man sich in solch einem Urlaub und überlegt sich, warum man sich das antut. So mag die morgendliche Dusche sich zwar toll auf der Haut anfühlen –von wenigen Temperaturmimöschen einmal abgesehen – der Anblick der selbigen Dusche beim Besteigen – nach der 23-stündiger Benutzung durch die Campingnachbarn, welche Hygiene und zwischenmenschliche Achtsamkeit bei der Nutzung einer Gemeinschaftseinrichtung deutlich vermissen lassen -  ist wenig erbaulich. So freut man sich über seine Sandalen und bis auf Wasser- über sonstigen Minimalkontakt. Ein weiteres Gourmethäppchen, was man allzu gerne nach einem solchen Urlaub immer wieder verdrängt, ist die räumliche geschlossene Ansiedelung von Duschen und Toiletten im Sanitärbereich. So laut kann die Dusche gar nicht sein, dass man nicht trotzdem – durch die Trennwand, welche nur weit entfernt mit Irgendetwas verwand ist, was mal vor Jahrhunderten stabil war – unmittelbar, gewollt oder ungewollt, am morgendlichen Toilettengangerlebnis seines oder im Idealfall sogar seiner Nachbarn beteiligt wird. Regelmäßige Grunz- und Plumpstöne vermitteln dem unbeteiligten Zuhörer wahrhafte Nationalparkerlebnisse: so ist man ganz nah dran an der Tierwelt. Als würde der Bär sich ächzend artikulierend, hinter einem durch eine Pfütze stapfend näheren. Das waren in diesem Urlaub bislang meine einzigen Bärenerlebnisse, aber an diesem Tag sollte es nicht so bleiben.
Morgens fahren wir Richtung Gaspe und Percé weiter, biegen dann aber noch in die Südzone des Forillonparks ein. Und nach einigen Kilometern steht ein junger Schwarzbär neben der Straße, sucht auf der Wiese nach Fressbarem und spaziert, trotz zunehmend stehendem Verkehr – dann zu einem Haus, um dessen Mülleimer zu prüfen. Grandios! Dann kriegen wir auf dem Weg endlich unser Gas, nirgendwo sonst auf den letzten 800 km war es uns möglich, selbiges zu kaufen, und essen zu Mittag in einem Künstlerkaffe. In Percé kommen wir direkt im Ort in einem Provincial Park von Sepaq unter. Kurzentschlossen springen wir auf eine Bootstour, die uns um die Insel Bonaventure herum führt. Auf dieser Insel leben mehr als 250.000 Seevögel und es gibt eine riesige Tölpel-Kolonie von 60.000. Das Schwirren in der Luft ist unglaublich. Hier muss es etliche Flugunfälle am Tag geben. Leider kriege ich nicht alles mit, weil Bo aufgrund des hohen Wellengangs üble Angst hat und ich so gebunden werde. Fibi nimmt es teilnahmslos, wenn auch wenig begeistert hin und schläft gegen Ende ein. Auch einen weiteren Ausflug am nächsten Morgen auf die Insel verweigert Bo, so dass erst einmal nur Einer übersetzen und zu den Kolonien wandern kann. Wir würfeln und Annette gewinnt. Auch decken wir uns bei einer Bäckerei mit Kuchen und bei einer Eisdiele mit dem dortigen Produkt ein. Alles hätte schön enden können, wenn Bo nicht versucht hätte an einer Stange vom Klettergerüst mit Bauch und Gesicht voran nach unten zu rutschen. Es hat richtig wehgetan und so versorgen wir unsere kleinen Mäuse am Abend bis Sie unausstehlich werden und doch wieder mit Nachdruck ins Bett befördert werden müssen.

8.8 Chutes und Bon Ami















Leider hat es die Nacht über durchgeregnet und die Welt sieht immer noch trübe aus. Aber die Dusche erfrischt wieder den behaartesten Teil der Familie und vertreibt die Morgenmüdigkeit. Die größte Enttäuschung ist allerdings ein Stromausfall, sodass wir die Erdbeerwaffeln aus dem Toaster nicht ausprobieren  können. Die Kinder versichern uns, dass ihre ersten gefroren schon einmal gut schmecken. Wir beschließen einen Besuch des Visitor Centers. Die Ausstellung im North Sector beschäftigt nur 20 Minuten.  Die Wettervorhersage ist wenig erbaulich. Tagelang soll es hier regnen – zumindest die Panoramafotos sind in Gefahr. Ein 30-Minuten Trail zu den Chutes de Sainte Anne stellt sich als lohnenswert und zeitintensiver heraus. Es macht Spaß, durch den Wald zu tollen und an riesigen Pfützen vorbei zu balancieren. Dann fahren wir zum Cap de Bon Ami. Dort kochen wir und fahren zum ersten Mal unsere Wassertanks trocken. Aber wer will schon Spülwasser bei dem man noch den Boden sieht? Dann geht es an den Strand! Bo will erst nicht mit, läuft uns dann aber doch weinend hinterher. Alleine bleiben ist noch nicht sein Ding! Dann ist er allerdings super drauf und so verbringt Bo der Baumeister die nächsten 90 Minuten damit einen Staudamm aus Treibholz zu machen, was einen Gebirgsbach zum Meer heruntergeschwemmt wurde. Es regnet auch nicht mehr. Beim Ab- und Aufstieg können wir die (fast ausgewachsenen) Jungvögel der Kormorane durch unser Objektiv bewundern, die in den Steilwänden sitzen. Dann geht es zurück zum Campingplatz. Die Kinder drehen mit Roller und Laufrad ihre Runden bis zur Dunkelheit.

7.8 Forillon im Regen






Wir bleiben drei Nächte in diesem Park, der Tag beginnt demnach  mit viel Ruhe und Zeit. Duschen gefallen hier nur mir richtig gut. Annette grummelt etwas von „kalt“ und zeigt der Dusche in den folgenden Tagen selbige Schulter – die Kinder schaffen es gar nur bis vor den Vorhang. Endlich ist es mir vergönnt, jahrelangen Spott und Hohn über das manchmal vorsichtig-bedächtige, genaustens-die-Lage-prüfendes Vorgehen beim Betreten von Schwimmbädern zu spiegeln! Hah, Warmduscher! Und zum ersten Mal bewährt sich das Fahrrad. Bo vorne auf dem Rahmen und ein Erwachsener dahinter haben wunderbar harmoniert. Für heute wird von Bo deutlich mehr davon gefordert. Wieder geht es auf den Spielplatz und diesmal ausdauernd. Wir Essen Steine zu Mittag in kleinen Häusern, schaukeln uns die Seele aus dem Leib und spielen Bärenfangen bis der Magen knurrt. Zur Abwechslung grillen wir – diesmal auf Holzfeuer -  und dann treibt es uns aber auch schon in das Wohnmobil. Es fängt an zu regnen! Endlich – schließlich schreiben sich Postkarten nicht von alleine und ich pflege meine Zahnschmerzen mit einem Schläfchen.  So endet der Abend kuschelig!

6.8 Fahrt zum Forillon NP








Am späten Nachmittag kommen wir im Forillon Nationalpark an. Es waren zwar nur 200 km Fahrt aber schlechte Straßen, viele Baustellen, kleinere Einkäufe in Apotheke, Supermarkt und das obligatorische Geldabheben dauern. Mittags halten wir in einer Poissonerie an und nehmen uns einen gekochten Riesenhummer mit! Dünstend wärmen wir ihn auf einem Rastplatz direkt am Meer noch auf und dann heißt es rann an das Besteck! Den Kindern schmeckt es nicht, sie kriegen Nudeln – selber Schuld - bleibt halt mehr für die anderen. Aber ach du Schreck – ich habe leider eine Zahnfleischentzündung und bevorzuge Flüssiges mit wenigen Hartnahrungsstücken in der Form von Ibuprophen. So fräst sich Annette durch den Hummer aber auch Sie bleibt ob der Menge stecken. Mit halbem Hummer im Gesicht fährt Sie weiter! Der Camping Platz ist wunderbar – die Natur atemberaubend schön. Der Spielplatz am Strand ist auch sehr schön, wird aber wegen urinhaltiger Kontaminierung durch zweijährige deutsche Kleinkinder bald geschlossen.  Dann grillen wir noch am Holzfeuer – Annette verspeist das letzte Kilo Fleisch vom Hummer - und wie immer sind wir spät im Bett.

5.8 Hammer!









Heute ist ein Sammeltag! Es beginnt morgens am Strand, als sich die Kinder durch Schlick wühlen und Muscheln und Schnecken anschleppen. Bo spielt mit Krill und lässt diesen erst nach langer Zeit flüchten. Dann fahren wir weiter nach Sainte-Anne und nehmen die #299 in Richtung Süden. Wir durchqueren den Provincial Park Gaspesie und treffen nach abenteuerlicher Fahrt auf Schotter bei der Mine d´agates du mont Lyall ein. Idar-Oberstein lässt grüßen, nur oberirdisch! Wir suchen Schmucksteine. Vulkangesteinsknollen die vom Vulkan Lyall ausgeworfen wurden, sind auf zwei großen Feldern zu finden. Wir erhalten einen 18 kg Eimer, eine Sackkarre und zwei Hämmer. Für 40 $ können wir jetzt den Eimer füllen. Zum Glück kriegen wir noch eine Einführung, wonach genau wir zu suchen haben. Dann geht es los. Der Hammer ist stundenlang fleißig abwechselnd im Einsatz. Nach dem wir erfolgsversprechende Steine ausgegraben haben, gehen wir Sie liebevoll in wenigem Grad kaltem Gebirgswasser schrubben, bis die Hände taub sind – das ist deutlich nach der Schmerzphase.  Ein paar lassen wir trotz des Wucherpreises vor Ort auch aufschneiden und sind bei einem Stein erfolgreich. Die restlichen Knollen lagern wir im Auto. Schauen wir mal wie viele wir im Gepäck mitnehmen können. Die Kinder sind zufrieden. Leider rutscht Annette mit Fibi in der Rückentrage beim Abstieg noch aus und beide holen sich Kopfschmerzen. Keiner der beiden Köpfe stellt sich als nachweislich härter heraus. Wir übernachten in Sainte-Anne.