Früh um 9:00 Uhr sind wir beim ersten Yogi Bär Shuttle Bus zum Table Rock. Zuerst stürzen wir an das Geländer an der Abbruchkante des Horseshoe-Falls. Das ist der deutlich größere der zwei Wasserfälle und zwar der, der besser von kanadischer Seite bestaunt werden kann. Der Anblick ist atemberaubend. Bis zu 100 Meter hoch steht die Gichtwolke über uns. Dann fangen wir an unser Kombiticket abzuarbeiten. Zuerst geht es auf die „Journey behind the Falls“. Eine Plattform direkt neben den Fällen bietet das hautnahe Erleben der Wasserfälle seitlich, etwa auf der Mitte der Fallhöhe. Allerdings lohnen sich die ausgeteilten Einweg-Regenumhänge kaum (die ersten von dreien, die wir kriegen werden) Zwei Öffnungen in einem Tunnel gebohrt, der hinter den Wasserfall führt, sind visuell wenig beeindruckend. Aber das gewaltige Wummern der Wasserfälle ist unheimlich.
Dann geht es ins 4D-Kino: Niagara Fury. Hautnah soll man die Entstehungsgeschichte erleben. Und auch das „Wandern“ des Wasserfalls über die Jahrtausende hinweg wird beschrieben (vor 12.000 Jahren war er rund einen Kilometer weit entfernt von seinem jetzigen Standort). Der erste Schnee fällt im Kino – unsere Kinder werden skeptisch – aber als es dann im Raum regnet, sich die Erde bewegt und das Donnern der Dolby Suround Anlage ein Gewitter ankündigt, brechen auch bei den beiden die emotionalen Dämme. Den Rest des Filmes schaut Annette alleine.
Eine Donut / Muffin Kombination von dem allgegenwärtigen Tim Hortons versöhnt die Truppe und –bald wieder bester Laune – spazieren wir dem Bridal Fall und so unserem nächsten Abenteuer entgegen. Nach 25 Minuten Wartezeit besteigen wir in unseren blauen Plastikumhängen die „Maid of the Mist“, erobern Spitzenplätze auf dem Oberdeck und werden mitten in den Horseshoefall hinein gefahren. Der Lärm ist Ohrenbetäubend, die Wasserfälle riesig und wir gehen in Gicht unter. Leider kann ich diesen Augenblick nicht in Worte fassen. Alle sind begeistert. Dieses Erlebnis scheint die Kinder jedoch nur halb so stark emotional zu beindrucken, wie die Toilette an der Anlegestelle, die unverschämter Weise alle 25 Sekunden, bei kleinen Kinderrücken, Infrarotgetrieben automatisch mit einer Vehemenz abspült, die den Fällen kaum nachsteht. Bei solch einem Sturm unter den Popöchen kann man sich nun wirklich nicht konzentrieren und noch schlimmer – die Gattung der Toiletten generell wird von nun an mit kritischem Auge begutachtet. So kann dann auch trotz leichtem Durchfall mal eine harmlose Toilette einfach so strikt abgelehnt werden, wenn man ihr nicht traut. Selbst wenn sie nur gespült hat, weil Mama sie vorher sauber machte. Mittag ist nun schon lange vorbei und das Eis entschädigt für die Strapazen. Mit dem People Mover Shuttle Bus fahren wir zurück zum Table Rock und von dort erwischen wir sofort einen Yogi Bär Shuttle.
Wer glaubt hier endet die Geschichte des Tages hat sich allerdings getäuscht. Schließlich ruft das kühle Nass, Wäsche will gewaschen, Spieße wollen gegrillt und verschlungen und das Paar müde aussehender Eltern will verschlissen werden. Um 21:30 schlafen wir gemeinsam ein.